Praxisklasse

Die Praxisklasse ist ein Modell zur differenzierten Förderung von Schülern, die in der Regelklasse wenig Aussicht auf einen erfolgreichen Mittelschulabschluss haben. Falls ein Schüler, eine Schülerin praktisch orientiert ist, lieber arbeitet als in die Schule zu gehen, dann ist die Praxisklasse mit großer Sicherheit die richtige Wahl für die weitere schulische Laufbahn.
Seit 2007 ist die Praxisklasse fester Bestandteil der Mittelschule Miesbach. Der große Erfolg der Absolventen spricht für das Modell der Praxisklasse.
Das Projekt wird aus dem Europäischen Sozialfonds gefördert.

 

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Sponsoren:

–    Europäischer Sozialfonds (ESF)
–    Schulverband Miesbach

Kooperationspartner:

–    Berufsberater Rainer Müller
–    Bundesagentur für Arbeit Rosenheim
–    Studienkreis Miesbach
–    Nachbarschaftshilfe Miesbach
–    Gesundheitsamt Miesbach
–    externe Experten zu verschiedenen ausgewählten Themenbereichen

Ziele der P-Klasse

Die Schülerinnen und Schüler
–    sollen lernen, Verantwortung zu übernehmen
–    sollen Freude an der Schule und am Lernen haben
–    erhalten die Möglichkeit zur beruflichen Orientierung
–    erkennen ihre eigenen Stärken und bauen diese weiter aus
–    werden gezielt auf den Mittelschulabschluss vorbereitet
–    können durch Praktika leichter eine Ausbildungs-/ Lehrstelle finden

Besonderheiten der P-Klasse

–    geringe Schülerzahl (etwa 13 Schüler)
–    zusätzliche Betreuung durch einen Sozialpädagogen
–    auf Kernfächer zentrierter, flexibler Unterricht
–    intensive Förderung der einzelnen Schülerinnen und Schüler
–    Praxis und Berufseinstieg stehen im Mittelpunkt
–    8 – 10 Wochen Praktikum pro Schuljahr

Auswahl der Teilnehmer

–    Schülerinnen und Schüler mit spezifischen Lern- und Leistungsrückständen
–    Schüler im 8. bzw. 9. Schulbesuchsjahr
–    Ehrgeiz, die persönlichen Fähigkeiten in verschiedenen Berufsbereichen zu
erproben
–    Engagement der Erziehungsberechtigten, sich intensiv gemeinsam mit den
Schülerinnen und Schülern um eine Zusammenarbeit mit der Schule (Suche nach
Praktika, Rücksprache über die schulischen Leistungen, usw.) zu bemühen

Nicht aufgenommen werden

–    Schülerinnen und Schüler mit sonderpädagogischem Förderbedarf
–    verhaltensauffällige Schüler, die anhaltend den Unterricht verhindern, Rechte der Mitschüler massiv einschränken sowie bereits „besondere Maßnahmen“ durchlaufen haben

–    Schüler, die bereits den erfolgreichen Mittelschulabschluss erworben haben
–    Schulverweigerer

 

Die Aufnahme findet immer zum neuen Schuljahr statt.

 

 

Die Mittelschule Miesbach stellt vor: Die Praxisklasse

Es ist eine Erfolgsgeschichte in der bayerischen Schullandschaft. Und an ihr hat die Rudolf-Pikola-Schule Miesbach mitgeschrieben. Es ist hier die Rede vom Modell Praxisklasse (oder P-Klasse) in einzelnen Mittelschulen des Freistaats Bayern. Diese Klassen wurden eingerichtet, um Schülern mit großen Lern- und Leistungsrückständen eine bestmögliche schulische Förderung zukommen zu lassen. Diese Jugendlichen sollen durch die spezifische Unterrichts- und Erziehungsarbeit in der Praxisklasse zu einer positiven Lern- und Arbeitshaltung geführt werden. Durch die Kooperation mit lokalen Betrieben in Form von Berufspraktika werden sie in das Berufsleben begleitet. Das Modell Praxisklasse ist dabei sehr erfolgreich. So sind im Anschluss an die Praxisklasse im Schuljahr 2009/10 in Bayern rund 72 Prozent der Absolventen in eine weiterführende berufliche Maßnahme gewechselt. Neuere Zahlen sind noch einmal höher.

Besuchern oder Eltern, die eine Angelegenheit im Schulsekretariat erledigen oder einen Gesprächstermin bei der Schulleitung wahrnehmen wollten, sind vielleicht die zwei großen Informationstafeln aufgefallen, die im Gang vor dem Verwaltungstrakt der Mittelschule Miesbach hängen. Auf diesen sind Fotos, Berichte und Bescheinigungen der Betriebe von den Berufspraktika der Schüler der Praxisklasse dokumentiert. Es fällt durchgehend beim Blick auf die Bilder und beim Lesen der Schülerbeschreibungen der geleisteten Arbeiten auf: Die Jugendlichen waren mit Eifer, Freude und Einsatzwillen bei der Sache. Die ausgestellten Arbeitszeugnisse der Firmen und Geschäfte bescheinigten dies auch. Des öfteren kann man auch dabei lesen, dass sich die Geschäftsführer darüber freuen würden, den Schüler zu gegebener Zeit wieder als Auszubildenden im Betrieb begrüßen zu dürfen.

Diese positiven Rückmeldungen aus der beruflichen Arbeitswelt verdeutlichen, mit welchen 14- bis 15-jährigen Schülern wir es in der P-Klasse der Mittelschule Miesbach vorrangig zu tun haben. Es sind Heranwachsende, die oftmals der Schule überdrüssig sind, größere Lern- und Leistungsdefizite haben und wahrscheinlich in der Regelklasse keinen Schulabschluss erreichen werden. Aber es sind junge Menschen, die gerne arbeiten, oftmals handwerklich geschickt sind und körperlichen Einsatz nicht scheuen.

Als oberste Maxime, der sich jede Lehrkraft in einer Praxisklasse verpflichtet fühlt, gilt: Kein Schüler aus der P-Klasse verlässt die Mittelschule (ehemals die Hauptschule) ohne berufliche Perspektive. Als angestrebtes Vermittlungsziel gilt in erster Linie eine Lehrstelle. Darüber hinaus sind auch das Berufsgrundschuljahr (BGJ), berufsvorbereitende Lehrgänge der Bundesagentur für Arbeit (z.B. BVB) oder eine Arbeitsstelle nach Abgang von der Schule vorstellbar.

Es gibt folgende Besonderheiten der Praxisklasse:

– ca. 10 Wochen Praktikum
– Betreuung durch Lehrkraft und sozialpädagogische Fachkraft
– geringe Klassenstärke (ca. 13 Schüler)
– kein festgelegter Lehrplan, d.h. Möglichkeit der individuellen Lernbetreuung
– enge Zusammenarbeit zwischen Schule, Elternhaus, Betrieben und Bundesagentur für Arbeit
– Projekte und Aktionen in den Bereichen Bewerbungstraining, soziale Kompetenz, Sucht und Gewaltprävention usw.
In der P-Klasse der Mittelschule Miesbach werden Schüler im letzten oder vorletzten Schulbesuchsjahr unterrichtet. Dies geschieht jahrgangsübergreifend. Schüler aus der 8. und 9. Jahrgangsstufe sind gemeinsam in der Praxisklasse. Der Klassenleiter ist die erfahrene Lehrkraft Reinhard Rackner (siehe auch das folgende Interview mit ihm). Als sozialpädagogische Fachkraft steht ihm Christian Böhm zur Seite. Finanziell getragen wird die Praxisklasse vom Schulverband Miesbach, gefördert vom Europäischen Sozialfonds.

 

Interview mit Reinhard Rackner

(Klassenlehrer der Praxisklasse an der Mittelschule Miesbach)

 

Erklären Sie bitte in drei Sätzen, was eine Praxisklasse ist
Es ist eine Klasse für Schüler, die motiviert sind, sich aber in der Schule schwer tun und bei denen zu erwarten ist, dass sie die Mittelschule ohne Abschluss verlassen werden. Es werden nur die Fächer Mathematik, Deutsch und AWT unterrichtet, und die Ansprüche werden auch hier nicht so hoch angesetzt. Ein wichtiger Bestandteil des Schuljahres sind die 8 bis 10 Praktikumswochen außerhalb der Schule in den Betrieben.

 

Seit wann gibt es die Praxisklasse an der MS Miesbach (ehemals Hauptschule)?
In Miesbach gibt es sie seit 9 Jahren. Vor 16 Jahren wurde sie in Bayern eingeführt. Selbst unterrichte ich jetzt im 4. Schuljahr eine P-Klasse.

 

Was ist der größte Unterschied zwischen dem Unterrichten in einer Regelklasse und in einer Praxisklasse?
In der P-Klasse ist für mich ein individuelleres Eingehen auf die Schüler möglich. Dies vor allem auch durch die geringere Schülerzahl. Mein Augenmerk liegt auch ganz besonders darauf, die Jugendlichen in ihrem oftmals schwachen Selbstbewusstsein zu stärken und bei ihnen eine Ausbildungsperspektive zu erreichen.

Sie schätzen vor allem an Ihren Schülern …….
…… ihren Zusammenhalt und ihre Zusammenarbeit als Gruppe.

 

Wann ist es für Sie als Lehrer rückblickend ein erfolgreiches Jahr gewesen?
Wenn bei allen Schülern klar ist, dass der Ausbildungsweg gesichert ist.

 

Ein paar Fakten zu Ihrer Person
Ich bin ein gebürtiger Miesbacher. Im Mai dieses Jahres wurde ich 60 Jahre alt. Als Lehrer hatte ich 1977 mein erstes reguläres Schuljahr. Da war ich 22 Jahre alt und nur wenige Jahre älter als die Schüler in meiner Klasse. Meine Hobbys sind Lesen, Reisen, die Natur und leckeres Essen. Als Lebensmotto habe ich mir “Jeden Tag neu beginnen“ vorgenommen.

 

Einheimische Betriebe und Geschäfte sollten mit der Praxisklasse im Rahmen der Berufspraktika kooperieren, weil …….
……. ihnen sonst hochmotivierte und praktisch begabte Auszubildende entgehen.

 

Ansprechpartner diesbezüglich:

Klassenlehrkraft Reinhard Rackner

Rudolf-Pikola-Mittelschule

Miesbach

Münchner Straße 9, 83714 Miesbach

Telefon: 08025 / 2860-30 (Schulsekretariat)

Bildüberschrift:
Lehrer Reinhard Rackner freut sich über die positiven Rückmeldungen der Betriebe zu den absolvierten Berufspraktika seiner Schüler.

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